Annalisse Walker & Band im Café Art

Beeindruckten im Walldorfer Café Art: Sängerin Annalisse Walker mit (v.li.) Hans-Jürgen Götz, Jochen Treu, Michael Renschler und Martin Czemmel. Foto: Lerche

Von Sebastian Lerche

Walldorf. (seb) Mit dem ersten Song schon hatte sie ihr Publikum fest in Bann gezogen. Und wenig später gingen die Jubelstürme los, sodass die nicht mal hundert fast wie tausend Zuhörer wirkten. Annalisse Walker war es, die gemeinsam mit ihrer Band die Gäste im Walldorfer Café Art restlos begeisterte.

Norah Jones‘ “Don’t know why” war der perfekte Einstieg in einen lauen, gemütlichen Sommerabend, an dem lässige Klänge aus Jazz, Blues und Soul überwogen und für Entschleunigung und Entspannung pur sorgten. Ein rhythmisches “Somewhere over the Rainbow” bezauberte ebenso wie das gefühlvolle “All of me” von John Legend. Überraschend die Klangfülle von “What can I do to make you love me”, ein interessanter Kontrast zum folkig-zurückgenommenen Original der Corrs.

Eine lustige Überraschung gelang der Band mit “Bear Necessities”, dem englischen Original zu “Probier’s mal mit Gemütlichkeit” aus Disney’s Dschungelbuch. Und ordentlich laut wurde es mit “Ho Hey” der Lumineers, das Publikum ging lautstark mit. Für eine Mitarbeiterin des Café Art gab es ein Geburtstagsständchen, ehe “Yesterday” für Gänsehaut sorgte. So klar und voll im Klang: Da konnten selbst Beatles-Fans den Song noch mal ganz neu für sich entdecken. Richtig magisch wurde es mit Eva Cassidys Liebeslied “Songbird” und mit “Killing me softly” von Lori Lieberman.

Auch mit “Valerie” von Amy Winehouse oder George Gershwins “Summertime” stellte Annalisse Walker die enorme Kraft ihrer warmen Stimme unter Beweis. Glasklar über drei Oktaven hinweg, beeindruckt sie besonders mit den ungeahnten Reserven, die sie auch nach gut zweieinhalb Stunden mobilisieren konnte.

Da ist kaum zu glauben, dass die aus Australien stammende Sängerin sich praktisch alles selbst beibrachte. Wie Annalisse Walker im Gespräch mit der RNZ erzählte, stammt sie aus einer sehr musikalischen Familie, von Kindesbeinen an war sie von Musik umgeben. Sie wirkte früh an verschiedenen Kirchen- und Gospel-Produktionen in West- und Südaustralien mit fand großartige Mentoren und tolle Musiker, von denen sie viel lernte. Sie gesellte sich zu verschiedenen Bands, spielte zunächst in Kneipen, Clubs oder auf Hochzeiten, war später mit professionellerem Anspruch aktiv, veröffentlichte mit einer Electronica-Band ein Album und schrieb auch eigene Songs.

Eine großartige Chance bot sich ihr 2017 mit dem Wettbewerb “The Voice Australia”. Nicht nur den damit einhergehenden Bekanntheitsgrad, auch den Blick hinter die Kulissen nutzte sie, um das Business näher kennenzulernen, und Kontakte zu knüpfen. Jetzt wohnt Annalisse Walker im Raum Heidelberg, ihr Mann ist dort berufstätig. “Summertime” ist übrigens eines ihrer absoluten Lieblingslieder: Jedes Mal klinge es für sie anders, erklärte sie, je nach Ort, Publikum und Stimmung, aber immer faszinierend.

In diesem Zusammenhang lobte sie die außerordentliche Harmonie mit den anderen Musikern, von denen jeder als zuverlässiger Begleiter ebenso wie mit Soloeinlagen glänzte. Jochen Treu ließ das Saxofon auf wunderbar passende Weise singen oder beim Song der Corrs richtig druckvoll erklingen. Martin Czemmel bot geschmeidige Gitarrensoli, steigerte etwa die Stimmung des anrührenden “Songbird”. Michael Renschler sorgte am Keyboard für einen vielfältigen Klangteppich und war im Duett mit Walker ein souveräner Partner. Besonders in Erinnerung bleiben wird dem Publikum aber sicher Schlagzeuger Hans-Jürgen Götz. Manchmal druckvoll, manchmal leise, aber immer im Hintergrund, bis er plötzlich wie entfesselt agierte: Handschuhe mit Fingerhüten an den Händen ließ er seine Waschbrett-Krawatte schnarren, trommelte auf den Gläsern der Gäste, auf Tischen und an Wänden – ein Riesenspaß.

Wie Annalisse Walker gesagt hatte: Die Fünf ergänzen sich in ihren Talenten und ihrem vielfältigen Geschmack, der die verschiedensten Stile und Genres umfasst, aber immer Wert auf Songs mit Charakter statt nur Unterhaltungswert legt. Wichtig sei ihnen, die Freude an der Musik spürbar werden zu lassen. Und so, wie das Publikum an diesem Abend tanzte und mitsang, war das vollkommen gelungen.

Natürlich wurden mehrere Zugaben gefordert, so erklangen Eagle Eye Cherry’s “Safe Tonight” und als perfektes Ende eines umwerfenden Abends “What’s up” von den 4 Non Blondes.

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